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DEUTSCHE GESCHICHTE
Der Text dieser Seite ist dem Nachschlagebuch "Tatsachen über Deutschland" entnommen. Herausgegeben vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Societäts-Verlag, Frankfurt/Main, 1998. Redaktion: Dr. Arno Kappler. Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt des ganzen Nachschlagebuches ist abrufbar im Internet unter: http://www.government.de/

Das Bismarcksreich

Bismarck arbeitete nun auf die Vollendung der deutschen Einheit im kleindeutschen Sinne hin. Den Widerstand Frankreichs brach er im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71), der durch einen diplomatischen Konflikt um die Thronfolge in Spanien ausgelöst wurde. Frankreich mußte Elsaß-Lotharingen abtreten und eine hohe Reparationssumme zahlen. In der patriotischen Begeisterung des Krieges schlössen sich die süddeutschen Staaten mit dem Norddeutschen Bund zum Deutschen Reich zusammen. In Versailles wurde am 18. Januar 1871 König Wilhelm l. von Preußen zum Deutschen Kaiser ausgerufen.

Die deutsche Einheit war nicht durch Volksbeschluß, “von unten”, sondern durch Fürstenvertrag, “von oben”, zustande gekommen. Das Übergewicht Preußens war erdrückend; vielen erschien das neue Reich als ein “Großpreußen”. Der Reichstag wurde nach allgemeinem und gleichem Wahlrecht gewählt. Er hatte zwar keinen Einfluß auf die Regierungsbildung, wohl aber durch seine Beteiligung an der Reichsgesetzgebung und durch das Budgetrecht auf die Ausführung der Regierungsgeschäfte.

Obgleich der Reichskanzler nur dem Kaiser und nicht dem Parlament verantwortlich war, mußte er sich doch um eine Mehrheit für seine Politik im Reichstag bemühen.

Das Wahlrecht für die Volksvertretungen der einzelnen Länder war noch uneinheitlich. Elf der deutschen Bundesstaaten hatten noch ein vom Steueraufkommen abhängiges Klassenwahlrecht, bei vier anderen bestand die alte ständige Gliederung der Volksvertretungen.

Die süddeutschen Staaten mit ihrer größeren parlamentarischen Tradition reformierten nach der Jahrhundertwende ihr Wahlrecht, und Baden- Württemberg und Bayern glichen es dem Reichstagswahlrecht an. Die Entwicklung Deutschlands zu einem modernen Industrieland stärkte den Einfluß des wirtschaftlich erfolgreichen Bürgertums.

Dennoch blieben der Adelsstand und vor allem das überwiegend aus Adligen bestehende Offizierskorps in der Gesellschaft tonangebend.

Bismarck regierte neunzehn Jahre lang als Reichskanzler. Durch eine konsequente Friedens- und Bündnispolitik suchte er dem Reich eine gesicherte Stellung in dem neuen europäischen Kräfteverhältnis zu schaffen.

In Gegensatz zu dieser weitsichtigen Außenpolitik stand seine Innenpolitik. Den demokratischen Tendenzen der Zeit stand er verständnislos gegenüber; politische Opposition galt ihm als „reichsfeindlich”. Erbittert, aber letztlich erfolglos bekämpfte er den linken Flügel des liberalen Bürgertums, den politischen Katholizismus und besonders die organisierte Arbeiterbewegung, die durch das Sozialistengesetz zwölf Jahre lang (1878-1890) unter Ausnahmerecht gestellt war. Die mächtig anwachsende Arbeiterschaft wurde so, trotz fortschrittlicher Sozialgesetze, dem Staat entfremdet. Bismarck fiel schließlich dem eigenen System zum Opfer, als er 1890 von dem jungen Kaiser Wilhelm II. entlassen wurde.

Wilhelm II. wollte selbst regieren, doch fehlten ihm dazu Kenntnisse und Stetigkeit. Mehr durch Reden als durch Handlungen erweckte er den Eindruck eines friedensbedrohenden Gewaltherrschers. Unter ihm erfolgte der Übergang zur „Weltpolitik”; Deutschland suchte den Vorsprung der imperialistischen Großmächte aufzuholen und geriet dabei zunehmend in die Isolierung.

Innenpolitisch schlug Wilhelm II. bald einen reaktionären Kurs ein, nachdem sein Versuch, die Arbeiterschaft für ein “soziales Kaisertum” zu gewinnen, nicht zu dem erhofften raschen Erfolg geführt hatte. Seine Kanzler stützten sich auf wechselnde Koalitionen aus dem konservativen und bürgerlichen Lager.

Die Sozialdemokratie, obwohl eine der stärksten Parteien mit einer Wählerschaft von Millionen, blieb weiterhin von jeder Mitwirkung ausgeschlossen.

Der Erste Weltkrieg

Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers am 28. Juni 1914 führte zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Die Frage nach der Schuld an diesem Krieg ist nach wie vor umstritten. Sicher haben ihn Deutschland und Österreich auf der einen, Frankreich, Rußland und England auf der anderen Seite nicht bewußt gewollt, doch waren sie bereit, ein entsprechendes Risiko auf sich zu nehmen.

Alle hatten von Anfang an fest umrissene Kriegsziele, für deren Verwirklichung einemilitärische Auseinandersetzung zumindest nicht unwillkommen war. Die im deutschen Aufmarschplan vorgesehene rasche Niederwerfung Frankreichs gelang nicht. Vielmehr erstarrte der Kampf im Westen nach der deutschen Niederlage in der Marne-Schlacht bald in einem Stellungskrieg, der schließlich in militärisch sinnlosen Materialschlachten mit ungeheuren Verlusten auf beiden Seiten gipfelte. Der Kaiser trat seit Kriegsbeginn in den Hintergrund.

Die schwachen Reichskanzler mußten sich im Verlauf des Krieges immer stärker dem Druck der Obersten Heeresleitung mit Feldmarschall Paul von Hindenburg als nominellem Chef und General Erich Ludendorff als eigentlichem Kopf beugen.

Der Kriegseintritt der Vereinigten Staaten 1917 brachte schließlich die sich schon längst abzeichnende Entscheidung, an der auch die Revolution in Rußland und der Frieden im Osten nichts mehr zu ändern vermochten. Obwohl das Land völlig ausgeblutet war, bestand Ludendorff in Verkennung der Lage noch bis zum September 1918 auf einem „Siegfrieden”, verlangte dann aber überraschend den sofortigen Waffenstillstand. Mit dem militärischen Zusammenbruch ging der politische einher. Widerstandslos räumten Kaiser und Fürsten im November 1918 ihre Throne.

Keine Hand rührte sich zur Verteidigung der unglaubwürdig gewordenen Monarchie. Deutschland wurde Republik.