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Journalismus

BEITRÄGE
Einige Beiträge von deutschen, russischen, amerikanischen usw. MedienrepräsentantInnen, ForscherInnen über Journalistik, Massenmedien, Pressefreiheit und Journalismus überhaupt.

Drei Beiträge zum Internet-Journalismus

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung
  1. Beruf: Online-Journalist. Was ist das?
  2. SPIEGEL Online: "Im Grunde machen wir eine Zeitung im Netz"
  3. Erfahrung mit interaktiven Elementen

Input-Referat Berndt Schramka,
Stellvertretender Leiter der Henri-Nannen-Schule

Beruf: Online-Journalist - Was ist das?

Der Frage, was denn ein Online-Journalist eigentlich ist, versucht sich Berndt Schramka, stellvertretender Leiter der Hamburger Journalistenschule / Henri-Nannen-Schule (Gruner & Jahr, Die ZEIT), mit einer Alltagsbeschreibung aus den Online-Redaktionen zu nähern: "In den meisten Redaktionen werden Texte aus den Printausgaben oder Agenturtexte gekürzt und per "copy and paste" ins Netz gestellt."

Das Schreiben komme in den Regel zu kurz. Online- Journalisten seien eher Organisatoren, Macher, "Content-Manager", die das Angebot strukturieren und nach Quellen suchen. "Das ist nicht unbedingt das, was im klassischen Journalismus gefragt ist", bringt es Schramka auf den Punkt. Am anderen Ende des Spektrums stünden die Reporter von "SPIEGEL Online". Diese machen für Berndt Schramka nicht Online-, sondern klassischen Journalismus - nur dass ihre Artikel dann über ein Redaktionssystem im Internet publiziert werden.

"Der Online-Journalismus steht erst am Anfang"

Wenn man über Online-Journalismus rede, sei zu bedenken, dass das Internet heute immer noch in den Kinderschuhen stecke. In vielen Verlagen würde kaum Geld für Online-Aktivitäten bereitgestellt. Andererseits sei der Zugang zum World Wide Web für den Nutzer in Deutschland immer noch sehr teuer, meint Schramka. Vieles sei in dem neuen Berufsfeld noch in der Schwebe: "Es gibt viele Träume und Vorstellungen, wie guter Online-Journalismus auszusehen hat – aber wir wissen noch nicht, wohin die Reise geht."

Die von Katja Riefler angesprochene Tendenz zur Konvergenz wirft für Schramka neue Fragen zum Berufsbild Online-Journalist auf: Gibt es in Zukunft das Ein-Mann-Team, das gleichzeitig alle Medien bedient, oder ist die Online-Redaktion der Zukunft eher arbeitsteilig organisiert?

Anforderungsprofil für Online-Journalisten

Klar ist für Schramka hingegen, dass in Zu-kunft vermehrt Journalisten gebraucht werden, die mit allen Medien, deren Produktions-bedingungen, -beschränkungen und -zeiten vertraut sind. "Ein Journalist, der einen Filmbeitrag produziert, der auch internettauglich sein soll, muss zum Beispiel wissen, dass Totalen und Schwenks für die Darstellung am PC ungeeignet sind." Ein Online-Journalist muss laut Berndt Schramka eine gewisse Technikaffinität aufweisen: "Er braucht die Begeisterung für den ständigen technischen Wandel hin zu einer Technik, die eine bessere Darstellung von Inhalten ermöglicht."

Es sei wichtig, einen Überblick über die Software zu haben und technische Fragen nicht den Technikern zu über-lassen. Mitentscheidend für die Qualität eines Online-Angebotes ist für Berndt Schramka die Besetzung der Schnittstellen zwischen Redaktion und Technik: "Hier braucht es Leute, die den Dolmetscher zwischen diesen beiden Welten spielen." Auch der Arbeitsablauf in einer Online-Redakion sei ein anderer als in der Printredaktion. So müssen neben wirtschaftlichen und organisatorischen Fragen darüber entschieden werden, ob der Artikel zuerst im Netz oder in der Printausgabe erscheinen solle. Hier wie auch in anderen Bereichen des Online-Journalismus sei mehr als im Printbereich die Fähigkeit zur Teamarbeit gefordert.

"Artikel werden in Zukunft anders geschrieben werden"

Ein Artikel für das Internet müsse anders aufgebaut sein als ein Artikel für die Printausgabe. "Die Artikel werden wieder von hinten her kürzbar geschrieben werden müssen – so wie früher." Ein Artikel im Internet wird in Zukunft nur selten länger als 300 Wörter sein, glaubt Schramka. Dies habe eine große Bedeutung für die Entwicklung des Journalismus, weil damit jedes einzelne Wort wichtiger werde. Aus dieser These folgt laut Schramka ein enormer Bedarf an Fort- und Weiterbildung in allen journalistischen Bereichen.

"Vor allem müssen die Journalisten zukünftig im Umgang mit der Sprache noch viel besser geschult werden als bisher." Angesichts des von ihm umrissenen Anforderungsprofils an Online-Journalisten hofft Schramka für die Zukunft auf gut ausgestattete und arbeitsteilig organisierte Redaktionen. "Denn all das, was ich aufgezählt habe, kann ein einzelner Mensch gar nicht in sich vereinen."

Zur Person

Berndt Schramka, Jahrgang 1952, ist seit 1971 Journalist. Nach Volontariat und Reportertätig-keit bei den "Harburger Anzeigen und Nach-richten" in Hamburg arbeitete er ein Jahr als Regieassistent am Hamburger Thalia-Theater. Über die Stationen "Hamburger Abendblatt", "Abendzeitung" (München) und "Chemnitzer Morgenpost" kam Schramka 1991 als Stellver-tretender Leiter an die Hamburger Journalis-tenschule/ Henri-Nannen-Schule. Seit September 2000 ist er freigestellt, um für Gruner & Jahr einen neuen Ausbildungslehr-gang für Online-Volontäre aufzubauen und zu leiten.

Berndt Schramka im WWW: http://www.schramka.de
Die Henri-Nannen-Schule im WWW: http://www.journalistenschule.de


Fragen an Rüdiger Ditz,
Geschäftsführender Redakteur bei "SPIEGEL Online"

"Im Grunde machen wir eine Zeitung im Netz"

"SPIEGEL Online", so dessen Geschäftsführender Redakteur Rüdiger Ditz, verfolge einen anderen Ansatz als viele Online-Redaktionen. "Der Spiegel-Verlag hat sich gegen eine Portalstruktur entschieden. Wir bieten nur wenige Serviceelemente an."

Auf den Seiten von "SPIEGEL Online" gebe es fast nur rein journalistische Angebote, Foren und Abstimmungen. Auf die Foren greifen laut Ditz jeden Monat etwa 250.000 User zu. "Wir machen im Grunde eine Zeitung im Netz", sagt Ditz. Gegenwärtig sei es noch nicht praktikabel, im großen Stil Bewegtbilder oder O-Töne zu veröffentlichen. Nur wenige User könnten auf Grund ihrer technischen Ausstattung solche Angebote nutzen.

Die Redaktionen von "SPIEGEL Online" und dem Magazin "Der SPIEGEL" arbeiten trotz zahlreicher Kooperationen getrennt. Im Gegensatz zu Online-Redaktionen von Tageszeitungen gerate "SPIEGEL Online" mit seiner minutenaktuellen Berichterstattung nicht in die Gefahr, zur Konkurrenz für das wöchentliche Printprodukt zu werden. "SPIEGEL Online" ist personell großzügig ausgestattet. "Die Redaktion ist sehr schnell gewachsen", erzählt Ditz, "heute arbeiten dort 35 feste Redakteure".

Zehn Redakteure schreiben für das Ressort Politik, davon fünf in Berlin. Dadurch ergebe sich die Möglichkeit, auch exklusive Geschichten zu machen. "SPIEGEL Online versteht sich in der Tradition des SPIEGEL, wir wollen aufklären", betont Rüdiger Ditz. Natürlich lebe man auch vom Rufdes Magazins, der Name SPIEGEL sei für das Online-Angebot zugleich Chance und Verpflichtung. "Wir bringen die News der Stunde, schnell, exklusiv und gut recherchiert. Wir wollen den Leser nicht in der Nachrichtenwüste herumirren lassen, sondern ihm durch Analysen und Kommentare Orientierung bieten."

Synergieeffekte

Die Mitarbeiter (Redakteure, Korrespondenten, Rechercheure etc.) des Magazins versorgen die Online-Redaktion mit exklusiven News, Hinweisen und Dokumenten. "SPIEGEL Online" wiederum bietet den Kollegen des Magazins Formen, die sie im Heft so nicht finden: Sie schreiben Online-Tagebücher, kommentieren und können auch unter der Woche mal ein Ereignis journalistisch verarbeiten. Durch "SPIEGEL-TV" und das neue Berliner Metropolenfernsehen XXP gibt es zudem die Möglichkeit, auf bewegte Bilder zurückzugreifen und somit Crossmedia-Synergien zu nutzen.

Fragen an Rüdiger Ditz

Frage: Wen sehen sie momentan als ihre Hauptkonkurrenten?

Antwort: SPIEGEL Online ist heute die führende News-Adresse im Netz, mit stetig steigender Reichweite. Konkurrenz kommt von den Online-Angeboten der FAZ, der SZ, FOCUS sowie der "Netzzeitung". Gespannt sind wir auf das gemeinsame Online-Angebot von BILD, T-Online und "heute".

Frage: Welche Finanzierungsmodelle schweben Ihnen für die Zukunft vor?

Antwort: Wir setzen weiterhin auf Online-Werbung, die momentane Flaute im Werbemarkt halten wir für ein kurzfristiges Phäno-men. Wir sehen im Bereich neuer Werbeformate und Sponsoring ein großes Potenzial. Auch die Breitbandtechnik wird die Möglichkeiten des Werbemediums Internet deutlich erweitern.

Frage: Gibt es bei "SPIEGEL Online" "Content- Syndication"?

Antwort: Ja, "SPIEGEL Online" ist ein begehrter Gesprächspartner, wenn, es um Qualitäts-Content geht. Den Bereich Rechteverwertung werden wir ausbauen.

Frage: Kaufen Sie auch Artikel von Freien hinzu?

Antwort: Ja, wir arbeiten mit einer Reihe von freien Mitarbeitern, besonders in den Berei-chen Kultur, Netzwelt, Auto und Reise. In den klassischen Ressorts Politik, Wirtschaft, Sport und Panorama ist das dagegen eher die Ausnahme.

Frage: Sammeln Sie Daten über ihre User und was machen Sie damit?

Antwort: Wir wissen, wie alle Anbieter im Netz, über welche Provider unsere User kommen. Wir machen natürlich auch Nutzer-Umfragen, aber wir verkaufen unsere Daten nicht weiter.

Frage: Versuchen Sie, eine "Community" aufzubauen?

Antwort: Wir wollen und werden keine "Community"- Plattform schaffen, weil wir von unseren Lesern unabhängig bleiben möchten. Es gibt bei uns allerdings einen festen Redakteur, der unsere Foren betreut und strafrechtlich Relevantes herausfiltert.

Frage: Wie erreicht der Leser die Redaktion?

Antwort: In der Regel sind die Artikel mit dem Namen des Autors und einem "mailto-Link" versehen. Pro Tag erreichen die Redaktion etwa 500 bis 600 Mails, darunter auch viele an die gemeinsame Sammeladresse. Zur Kanalisierung gibt es neuerdings eine Online-Leserbriefseite.

Frage: Gibt es Online-Volontäre und wie ist die Ausbildung organisiert?

Antwort: Ja, es gibt mehrere Online-Volontäre. Die Ausbildung ist klassisch aufgebaut: Sie durchlaufen alle Ressorts und werden auf der Akademie für Publizistik weitergebildet. Daneben gibt es noch ein zweimonatiges Praktikum bei den anderen Objekten des SPIEGEL-Verlags oder außer Haus.


Leitung: Heike Groll, Initiative Tageszeitung, Bonn
Teilnehmer: Antje Streese, BerlinOnline Julian Spies,
munich-online Ralf Schäfer, Münstersche Zeitung Berthold L. Flöper, BpB, Bonn

Erfahrung mit interaktiven Elementen

Arbeit der Comunities

Julian Spies problematisiert die Thematik "Community": Sind das wirklich unsere Besonderheiten? Wollen wir das wirklich bzw. wollen wir wirklich "Community" sein? Antje Streese verweist auf die Definition von "Community" (gleiche Ziele, Austausch, Helfen können ...) und auf sehr gute "Communities" wie "Wallstreet online", "Heise-online" (Technik), "playground" (tomorrow). Das Problem der ständig wechselnden Identi-täten in den "Communities" wird kurz ange-sprochen. Meinung der Experten: Störer bekommen die "Selbstregulierung" der "Community" zu spüren. "Niemand hält es lange durch, den anderen etwas vorzugaukeln." Neben der "Selbstregulierung" müssen die gesetzlichen Vorschriften beachtet werden.

Was tut die Zeitung aktiv?

Spies warnt vor hohen Erwartungen. "Munich-online" strebt "Stadtteil-Communities" an. Auch hier sollte eine Verknüpfung zwischen der "Community" und dem Printprodukt (hier der "Münchner Merkur" und die "tz") angestrebt werden, d.h. die besten Statements aus den virtuellen Chat kommen auch in die "tz". "BerlinOnline" strebt laut Streese "Stadtteil-Communities" (=virtuelles Stadtteilportal) an. Damit sind allerdings eher "Plätze für Themen" gemeint als kommunalpolitische Bezirke von Berlin. Auf jeden Fall bleibe festzuhalten: "Wir sind für Berlin Experten." Und: "Es ist wichtig, dass die Zeitung die Plattform für die Region bietet."

Welche Funktion hat die Zeitung bzw. der Journalist in der Online-Strategie?

Allgemein wird festgehalten: Journalisten sind mehr Moderatoren im Internet und Spielleiter bzw. Organisatoren. Weiten Raum in der Diskussion nehmen die Verbindungen zwischen dem Printorgan (die Tageszeitungen) und dem Online-Auftritt ein. Vor allem geht es um die Zukunftssicherung für das Printprodukt. Spies: "Die ‚Generation SMS’ hat ein anderes Informationsverhalten." Die Frage laute daher: Wie schaffen wir hier eine neue Leser-Blatt-Bindung? Überall ein Problem: Mit Print und Online stoßen zwei Welten aufeinander. Es wird in diesem Zusammenhang auf interessante kommunal-politische Aktivitäten des "Wiesbadener Kurier" bei der jüngsten Kommunalwahl hingewiesen. Dort hat die Redaktion Vorwahlenim Internet veranstaltet und diese im Printprodukt begleitet. Ähnliches will Spies in München organisieren.

Journalistische Qualität im Internet

Bei "Berlin-Online" gibt es laut Streese: bislang keine Informationen darüber, warum welche Debatten in den Foren positiv oder negativ angenommen werden: "Unsere Gen-Debatte lief positiv, aber ein Kino-Forum stürzte ab." Welche Rolle spielt journalistische "Qualität" im Internet? Bei dieser Frage ist man sich einig: Die "goldenen Regeln" des Journalismus gelten auch im Internet. Das heißt: Orientierung an der Zielgruppe, Themen "stiften" bzw. Themenakquise betreiben, Abstimmungen organisieren, schlechtes Deutsch brandmarken etc.

Kriterien für gute Communities

Kontinuität, Stabilität, Sicherheit, Vertrauen, Transparenz (wozu werden meine Daten verwandt?) werden von den Teilnehmern der Arbeitsgruppe als Kriterien für gute "Communities" genannt. Gefährlich: Durch "Cookies" können Nutzerprofile erstellt werden. Deshalb müssen Qualitätsstandards und der Umgang mit Nutzerdaten offen kommuniziert werden, keinen Vertrauensverlust zu riskieren.

Problem:
Für die Themen-Stiftung braucht man Mann- bzw. Frauenpower, dafür reichen aber "die (personellen)Ressourcen" in den Tageszeitungen nicht. Streese: Bei wenig Personal muss man sich strategisch für Maßnahmen entscheiden, die eine Hebelwirkung verursachen, das heißt: Aufwand und Ertrag abschätzen.

Problem:
Journalistische Ressourcen werden weniger berücksichtigt, dafür hat der wirtschaftliche Stellenwert eine hohe Aufmerksamkeit.