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Journalismus

BEITRÄGE
Einige Beiträge von deutschen, russischen, amerikanischen usw. MedienrepräsentantInnen, ForscherInnen über Journalistik, Massenmedien, Pressefreiheit und Journalismus überhaupt.

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2002 - ©   E-Write.de / Jornalismus

Die Darstellungsformen

Übersicht

  1. Die Nachricht

  2. Der Bericht

  3. Die Reportage

  4. Das Interview / Die Umfrage

  5. Der Kommentar

  6. Die Glosse

1. Die Nachricht

Comment is free, facts are sacred: Dieser berühmt gewordene Satz von P.C. Scott beschreibt die für den angelsächsischen Journalismus charakteristische Trennung von Meinung und Information. Nach dem Krieg haben alle deutschen Tageszeitungen und der Rundfunk diesen Grundsatz übernommen.

Nachricht ist, was sich unterscheidet: John B. Bogart, Lokalredakteur der Zeitung "Sun" hat einmal gesagt: "wenn ein Hund einen Mann beißt, dann ist das keine Nachricht. Beißt ein Mann einen Hund, dann ist das eine Nachricht." Aus dieser "Man-bites-dog"-Formel hat sich das europäische: "Nachricht ist, was sich unterscheidet" entwickelt.

Elemente einer Nachricht: Aktualität, allgemeines Interesse, Aufbau (das wichtigste zuerst), die Nachricht teilt verständlich mit, ist objektiv.

Nachricht ist journalistische Darstellungsform (formal) eine Mitteilung (inhaltlich)

Eine Nachricht ist nicht länger als 2o Zeilen (eine Sendeminute), alles, was darüber hinaus geht, ist ein Bericht.

Aktualität: Eine täglich erscheinende Zeitung wird eine Nachricht, die am Dienstag wegen Platzmangels nicht mitgegangen ist, am Mittwoch nicht in ihrer ursprünglichen Form mitnehmen können. Aktualisieren lässt sich die Meldung durch Aufgreifen des Fortgangs des Geschehens, inzwischen weiterer bekannt gewordener Einzelheiten und durch Stellungnahmen.
Aktualität im weiteren Sinn meint nicht nur die Veränderung, die innerhalb eines Berichtszeitraums eingetreten ist, sondern meint auch die Aufnahmebereitschaft des Publikums für bestimmte Themen oder Probleme. Eine Nachricht ist doppelt aktuell, wenn sie neu ist und den Nerv trifft!

Allgemeines Interesse: Allgemeines Interesse ist kein Universalinteresse, ist nicht jedermanns Interesse! Der Allgemeinheitsbegriff ist ziemlich speziell, er bezieht sich nämlich jeweils auf jenes Publikum, die mit der Nachricht konfrontiert wird (Lokal- oder Mantelteil einer Zeitung)
Was erzeugt Interesse? Prominenz (Showstar Lisa), Nähe (in unserer Stadt), Gefühl (übergibt am Krankenbett), Sex (ihrem Geliebten) Fortschritt (die Pläne) Folgeschwere (einer Wunderwaffe), Kampf, Konflikt, Kuriosität.

Der Aufbau: Klar – das Wichtigste gehört an den Anfang. (Lead)

Der Lead gibt Antworten auf die Fragen, die den Leser wahrscheinlich am meisten interessieren. Der Lead-Stil ist das Gegenteil jeglicher Chronologie. (Mag die Sitzungsordnung noch so lang gewesen sein und der Knackpunkt erst Tagesordnungspunkt 17, mit ihm fängt man an). Die Nachricht muss das besondere herausarbeiten. Der Lead ist nur so lang, dass die Information vollständig ist, also eine "Kurz-Kürzest-Nachricht", die auch alleine gedruckt werden könnte – aber natürlich nicht wird. Bei Unklarheiten einfach nach den "7 Ws" richten. Ein Lead gibt Antwort auf insgesamt sieben Fragen: Wer? Was? Wo? Wann? Wie? Warum? Woher? Wobei natürlich abgewogen werden sollte, ob jedes Frage schon von so großem Interesse ist, dass sie beantwortet werden muss (wie z.B. das "wie", wenn es darum geht, dass eine Stadt anfängt, Straßenschilder zur besseren Orientierung aufzustellen. Da ist es erstmal nicht zu wichtig, wie dies nun genau erfolgen wird). Außerdem sollte darauf geachtet werden, Leads nicht mit zu vielen Angaben zu überfrachten, nur um alle sieben "Ws" zu beantworten: nur diejenigen "Ws" muss der Lead beantworten, die das Wichtigste dieser Nachricht ausmachen. Wenn das in einem Satz nicht geht, werden es eben zwei. Ein "Extra-W" ist das Zitat, danach sollten aber die wichtigsten weiteren "Ws" angeschlossen werden. Vorteile dieses nach abnehmender Wichtigkeit gegliederten Nachrichtenaufbaus: die Texte lassen sich leichter redigieren, wenn am Ende etwas weggestrichen wird, kann das mit guten Gewissen erfolgen, denn das wichtigste steht ja im Lead und den folgenden Sätzen.

Wichtig ist auch, zwischen "hard news" und "soft news" zu unterscheiden. Für die harten Fakten gilt: Strenger Aufbau, für die "soft news" (Krokodil im See entdeckt, was sich nach längerer Suche als Plastiktier entpuppt) kann die Abfolge gewählt werden, die die Story am Besten erzählt.

Eine Nachricht kann in Präsens, Perfekt, Imperfekt und Futur erzählt werden (jeweils kombiniert) Das Präsens ist dabei natürlich am lebendigsten, das Imperfekt für Spannung, ein abgeschlossener Vorgang (der Angeklagte hat gestanden) steht im Perfekt.


Mitteilung (Verständlichkeit) (gilt für alle Darstellungsformen)

Es gibt 18 Ratschläge, die die Verständlichkeit eines Textes erhöhen:

  1. Bringen Sie nur, was sie selbst verstanden haben
  2. Berichten Sie anschaulich und genau (Beispiel: statt ...bedeckt eine Fläche von 7390 qm" lieber "bedeckt eine Fläche von 7390 qm, was halb so groß ist wie Schleswig-Holstein)
  3. Nennen Sie Namen (sie geben dem Text Identität)
  4. Erklären Sie Begriffe und Abkürzungen
  5. Zeigen Sie Zusammenhänge auf (örtlich, zeitlich vergleichbares: "das größte Marmeladenwerk der Bundesrepublik" usw. )
  6. Wiederholen Sie, wenn Sie befürchten, dass der Leser ein Details bereits wieder vergessen hat
  7. Suchen Sie nach dem treffenden Wort (passende Vergleiche, keine Übertreibungen, keine "", um etwas nicht ganz passendes zu kennzeichnen)
  8. Seien Sie vorsichtig mit Bildern und Sprachklischees (Beispiel: Das Sportlerherz des Bürgermeisters schlägt in der einer Reiterhose)
  9. Geizen Sie mit Fremdworten
  10. Vermeiden Sie Behörden-Deutsch
  11. Verbannen Sie den Blähstil (statt "Er wird in seiner Eigenschaft als Kanzler" lieber "er wird als Kanzler" oder statt "hohes Verkehrsaufkommen" lieber "starker Verkehr)
  12. Bilden Sie kurze Sätze (die Hauptsachen in Hauptsätze, die Nebensachen in Nebensätze, vgl. Reiners)
  13. Bevorzugen sie das Aktiv (vgl. Reiners Stilfibel: "Meiden Sie die Leidform")
  14. Nehmen Sie das richtige Wort
  15. Respektieren Sie Grammatik und Rechtschreibung
  16. Verhindern Sie Gleichklang und Zusammenstoß (unschön: "in zahlreichen Teilbereichen", "das Zustandekommen des Abkommens", besser "in vielen Teilbereichen", "das Gelingen des Abkommens")
  17. Achten Sie auf die richtige Interpunktion
  18. Objektivität:
    Zwei Hauptgründe für diese Forderung:
    - Der Redakteur soll dem Leser nicht das Denken abnehmen, er soll nur die Fakten liefern, die es jedem ermöglichen, sein Urteil selbst zu bilden.
    - Jeder hat ein Recht darauf, dass sein öffentliches Wirken nicht parteiisch dargestellt wird (auch wenn es ein Angeklagter vor Gericht ist)

Das bedeutet im Einzelnen:

  • Die Fakten (Namen, Alter, Zitate) müssen stimmen
  • Vollständigkeit der Information
  • Kein Kommentar
  • Achten auf Unbeabsichtigte Wertungen (droht ein Streik)
  • Sich des Problems der "inneren" und "äußeren" Objektivität bewusst sein

2. Der Bericht

Der Bericht ist der "Zwillingsbruder" der Nachricht, aber größer geraten und schon ein wenig reifer: zusammenhänge, Vorgeschichten und andere wichtige Aspekte kann der Bericht berücksichtigen.

Das strenge Aufbau-Prinzip der Nachricht gilt beim Bericht für die Absätze, d.h. der erste Absatz sollte die wichtigsten Fakten des ganzen Berichts als Lead voranstellen.

Der Bericht kann in eine Reportage übergehen, wenn der Berichterstatter nicht nur ausführlich das Ergebnis meldet, sondern sich am Ort des Ereignisses umsieht und seine Wahrnehmungen schildert.

3. Die Reportage

Die Reportage ist kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zu Nachricht oder Bericht.

Eine Reportage soll so konkret und anschaulich wie möglich sein. Statt "Küchengegenstände" schreibt man also "Töpfe und Teller" o.ä.

Die Reportage liefert Anschauung von Zuständen/Abläufen (wie sieht es nach der Gasexplosion am Unfallort aus?)

Die Reportage lässt Menschen zu Wort kommen.

Der Anfang: ein Schulaufsatz beginnt mit dem Allgemeinen und führt dann zum Besonderen, die Reportage beginnt mit dem Besonderen und führt dann zum allgemeinen.

Nicht hierarchisch oder chronologisch, sondern "dramaturgisch" aufgebaut.

Die Reportage ist keine Glosse, kein Feuilleton: der etwaige Witz muss aus der dargestellten Sache, nicht aus dem sprachlichen Aufputz kommen.

Die Reportage ist kein Kommentar.

Die Reportage ist eine informierende Darstellungsform, die den Leser vor Ort führt.

Was ist der Unterschied zwischen Reportage und Feature? Gestaltung eines undramatischen Stoffes? Illustration einer Analyse?

4. Interview und Umfrage

Die meisten Interviews, die zwischen Auskunftspersonen und Journalisten ablaufen, sind Recherchen und keine Interviews. Von einem Interview sprechen wir nur dann, wenn sich das Gespräch bei der Veröffentlichung noch vom Leser als solches erkennen lässt.

Die strenge (gebundene) Form des Interviews gibt ein Gespräch im (vielleicht gekürztem, aber) ununterbrochenen Dialog wieder.

  • Die freie Form des Interviews hebt zwar auch auf das Frage-Antwort-Spiel ab, unterbricht aber die Wiedergabe durch zusammenfassende Passage und/oder die Beschreibung des Interviewten.
  • Man unterscheidet das Interview zur Sache(Auskunft über die Haltung der Gewerkschaft zur Gehaltserhöhung), zur Meinung (was derjenige dazu denkt) und zur Person (um diese vorzustellen) In der Praxis überschneiden sich alle drei Formen.

Das Interview ist die schwierigste journalistische Arbeitsform. Tipps:

  • Bereiten Sie sich so gut wie möglich auf Person und zu Grunde liegende Sache des Gesprächs vor.
  • Führen Sie ein Gespräch - seien Sie weder Verhörveranstalter noch Plaudertasche.
  • Halten Sie Fragen bereit, seien Sie aber nicht Sklave ihrer Aufzeichnungen.
  • Stellen Sie nur solche Fragen, von denen Sie annehmen können, dass der Gesprächspartner dieses aufgrund seiner Kompetenz auch beantworten kann.
  • Stellen Sie nicht mehrere Fragen auf einmal.

5. Der Kommentar

Alles, was eine Nachricht (allerdings hard news) wert ist, kann grundsätzlich auch kommentiert werden. Ob er allerdings kommentiert wird, hängt davon ab, ob er folgende Fragen mit ja beantworten lässt:
Fordert er eine Stellungnahme heraus? Ist die Öffentlichkeit an einer publizistischen Stellungnahme interessiert? Gehört das zu kommentierende Thema zu wichtigen Themen, für die Platz ist?

  1. Der Argumentations-Kommentar: Der Schreiber wird die Gründe für seine Meinung aufzählen, sich mit den anderen Standpunkten auseinandersetzten.
  2. Der Geradeaus-Kommentar: Je nach Anlass und Thema kann der Kommentar auch aufs Argumentieren verzichten und einfach mal "Geradeaus" loben oder kritisieren.
  3. Der Einerseits-andererseits-Kommentar: auch eine Gedankenführung, die sich darauf beschränkt, zwischen mehreren Alternativen abzuwägen und sich nur zögerlich oder gar nicht für eine Alternative entscheidet, ist Kommentar, wenn der Autor damit die Vielschichtigkeit des anstehenden Problems ausdrücken will.

In der Regel setzt der Kommentar Information voraus, der Leser weiß, worum es geht. Manchmal gibt es allerdings Ereignisse zu kommentieren, wo sich der Autor nicht sicher sein kann, ob sein Publikum auch weiß, wovon er redet. Dann gilt es, die Informationen geschickt einfließen zu lassen.

6. Die Glosse

Sie ist die schwerste Darstellungsform, gerade weil sie so leicht daherkommt. Der Schreiber einer Glosse muss sich so gut auskennen wie der Kommentator aber zusätzlich noch eine feuilletonistische Sprach beherrschen. Der unterschied zum Kommentar besteht nicht im Thema (dieses können genauso gewichtig und genauso ernst gemeint sein), sondern im Stil.

Eine Glosse ist polemisch (scharfe Kritik, leicht unsachlich), die Schwäche des Gegenstands genau erfassend, nicht argumentierend, sondern darstellend, nicht abwägend, sondern hart, witzig.
Durch Ironie zu wirken, statt durch direkte Bezeichnung der Sache, ist eine der häufigst genutzen Stilmittel der Glosse