На главную страницу сайта: www.mediasprut.ru Rambler's Top100
{banner} HERZLICH WILLKOMMEN IN RUSSLAND!
medianetz
journalismus russland
info-center portfolio fotoalbum
leitseite über projekt über autor kontakt
zu den favoriten    • weiterempfehlen

Portfolio

BEITRÄGE AUF DEUTSCH
Einige Artikel vom Autor, die in verschiedenen Medien veröffentlicht sind

1/10/2008 - Münchner Merkur

Von außen betrachtet

Kaukasisches Labyrinth

Zum russisch-georgischen Blitzkrieg

Am 1. Oktober nehmen mehr als 300 EU-Beobachter im Kaukasus ihre Arbeit auf. Das Mandat wurde für ein Jahr erteilt und läuft am 20. September 2009 ab. An der Spitze der Mission aus Vertretern der 22 Staaten steht der deutsche Krisendiplomat Hansjörg Haber.

Diese Entscheidung, die persönlich vom EU-Chefdiplomaten Javier Solana getroffen wurde, scheint gut durchdacht zu sein. Haber spricht Russisch und bekleidete zweimal Diplomatenposten in Moskau. Die Mission ist im Prinzip Teil des Sechs-Punkte-Friedensplans, der vom derzeitigen EU-Ratspräsidenten Nicolas Sarkozy und dem russischen Präsidenten Dmitrij Medwedew vereinbart wurde.

In Punkt 5 des Dokuments ist ein sogenannter "internationaler Mechanismus" erwähnt, der künftig das russische Militär ersetzen soll. Wo und wann, ist noch unklar. Letzte Woche erklärte Medwedew, dass die Russen bis Mitte Oktober "das Territorium Georgiens" vollständig verlassen sollten.

Aber welches Georgien? Das Staatsgebiet Georgiens wird in Russland anders gesehen als im Westen oder in Georgien selbst. Moskau hat Südossetien und Abchasien als unabhängige Staaten anerkannt. Mehr noch: Zwei Tage, nachdem die ersten europäischen Beobachter in Georgien eingetroffen waren, kündigte Putin die Abschaffung der Kontrollen an der Grenze zu Südossetien an. Und am nächsten Tag, dem 26. September, erklärte Tiflis die abtrünnigen Provinzen zu "besetzten Gebieten". Insofern ist das Ziel der Europäer, den Beobachtungsprozess in allen georgischen Regionen zu gewährleisten, ein äußerst schwieriges Unterfangen. Wenn die Grenzkontrollen, wie Putin verspricht, abgeschafft werden, könnte man sich vorstellen, dass die südossetische Region de facto zu einem Teil Russlands wird.

Der EU-Einsatz im Kaukasus ist kostspielig. Offiziellen Quellen zufolge zweigt Brüssel insgesamt 31 Millionen Euro für das Haber-Team ab. Außerdem will die EU Georgien mit einer Finanzhilfe in Höhe von 500 Millionen Euro unterstützen. Ob davon auch die abtrünnigen (immerhin georgischen) Provinzen etwas abbekommen, ist ebenfalls unklar. Es ist anzunehmen, dass man in Brüssel rechnen kann und die Millionen nicht umsonst ausgeben will. Obwohl es nur schwer zu glauben ist, dass die Kaukasus- Krise binnen eines Jahres gelöst werden kann.

Aber wann dann? Die häufigste Frage und die häufigste Antwort darauf lauten übrigens typisch russisch: "Was tun?" und "Sich mit Geduld wappnen". Wer dennoch Prognosen wagen möchte, sollte zuerst die Ursachen des russischen Einsatzes in Georgien genauer betrachten. Es sind höchstwahrscheinlich drei:

Moskau wollte erstens den Nato-Beitritt von Georgien und der Ukraine blockieren, zweitens Saakaschwilis Macht untergraben oder ihn gleich ganz stürzen und drittens den geopolitischen Einfluss auf die ganze kaspische Region zurückgewinnen.

Dabei hatte der Kreml aller Wahrscheinlichkeit nach die Ereignisse des 8. August nicht minutiös geplant. So würde sich die Verzögerung bei der Reaktion auf den georgischen Angriff auf Tschinwali erklären. Alle Entscheidungen traf Moskau vermutlich überhastet und machte dabei einen fatalen Fehler: Durch die separate Anerkennung beider Provinzen büßte Russland die Möglichkeit ein, künftig mit der Anerkennung zu drohen, und begab sich damit einer wichtigen politischen Trumpfkarte.

Was die weiteren Schritte Russlands angeht, könnte man grob zwei Entwürfe skizzieren. Dem einen zufolge könnte der Kreml Vabanque spielen, um sich weiter als einflussreiche Weltmacht zu positionieren. Dem anderen zufolge könnte Moskau zwar auf einen Kompromiss hinarbeiten, aber gleichzeitig alles versuchen, um die Spaltung zwischen EU und Nato zu vertiefen. Ein idealer Hintergrund für das Duo Medwedew- Putin, um den künftigen US-Präsidenten zu testen.

Allerdings sollte man stets an Winston Churchills berühmte Beschreibung russischer Politik denken: "Eine Knobelaufgabe, verpackt in ein Geheimnis im Inneren einer Chiffriermaschine." (Russia is a riddle wrapped in mystery inside an enigma, 1939, BBC-Interview).

Andrey Kobyakov

Diesen Text als pdf-Datei downloaden